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Handbuch I Gewaltprävention für die Grundschule und die Arbeit mit Kindern

Handbuch I

Handbuch II Gewaltprävention für die Sekundarstufe und die Arbeit mit Jugendlichen

Handbuch II

Handbuch III Gewaltprävention für die Vorschule und die Arbeit mit Kindern

Handbuch III

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Bewegungsmangel im KindergartenLeider wird aber nichts dagegen getan!

Zentrum für Gesundheit

In einer Studie des Zentrums für Gesundheit wurde ein Vergleich der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindergartenkindern zwischen den Jahren 1998 und 2006 gezogen. Die motorische Leistung der jüngeren Generation, die 2006 getestet wurde lässt gegenüber 1998 deutliche Rückgänge in allen Parametern erkennen. Die Wirksamkeit eines Förderprogramms wurde bei beiden Untersuchungszeiträumen sehr deutlich und deswegen sollten Kinder bereits im Kindergarten gezielt gefördert werden.

In Europa sterben jährlich etwa 600.000 Menschen durch Bewegungsmangel. Dieses ist alarmierend und führt auch dazu, dass in den Medien dramatische Nachrichten von immer dickeren und leistungsschwächeren Kindern an der Tagesordnung sind. Mehr oder weniger wirksame Aktionen werden darauf hin initiiert. Ohne Zweifel macht sich der demographische Wandel in Form von Veränderungen in der Familienform, der Abnahme der elterlichen Verantwortlichkeit und des Wandels des Freizeit- und Bewegungsverhaltens auch bei Kindergartenkindern bemerkbar. Inwieweit diese veränderten Lebensumstände jedoch auf die motorische Leistungsfähigkeit Einfluss nehmen, bleibt fraglich.

Die Grundvoraussetzung für ein körperlich aktives Leben wird bereits im Kindesund Jugendalter gelegt. Den Spaß an Bewegung und den natürlichen Bewegungsdrang haben die Kinder nicht verloren, jedoch finden analog zum Wandel in der Gesellschaft Veränderungen in der Kindheit statt, die das Bewegungsverhalten beeinflussen. Dies führt unter anderem dazu, dass die Zahl der Übergewichtigen und adipösen Kinder in Deutschland steigt. Die Meldungen über die stark abnehmende Leistungsfähigkeit der Kinder halten viele Wissenschaftler jedoch für übertrieben. Deswegen wollten wir es genauer wissen. Ziel dieser aktuellen Studie war es, den Leistungsstand der motorischen Entwicklung von Kindergartenkindern im Jahre 1998 mit dem Leistungsstand im Jahre 2006 zu vergleichen. Aus dem Vergleich sollten Rückschlüsse auf die Erfordernis eines Förderprogramms, zum Ausgleich negativer Folgen durch Bewegungsmangel gezogen werden.

Methodik

Grundlage der Studie ist der Vergleich zweier Längsschnittstudien aus den Jahren 1998 (n=102) und 2006 (n=104) an fünf verschiedenen Kindergärten im sozialen „Kölner“ Brennpunkt. In beiden Jahren wurde zu Beginn und zum Ende eines 6 monatigen Untersuchungszeitraumes der motorische Leistungsstand der Kindergartenkinder erfasst. Zur Erfassung des Leistungsstandes wurde das motorische Testverfahren „Vier- bis Sechsjähriger (MOT 4-6)“ herangezogen, welches vor allem aus Spiel- und Bewegungsaufgaben besteht, die qualitativ und quantitativ ausgewertet werden und in einen Motorischen Quotienten (MQ) umgerechnet werden. Anhand dieses Motorischen Quotienten ist eine Klassifikation in verschiedene Leistungsgruppen möglich.
Zwei Gruppen führten im Untersuchungszeitraum ein Förderprogramm durch, welches sich durch die Trainingshäufigkeit unterschied (Vergleichsgruppe 1: 1x wöchentlich, Vergleichsgruppe 2: 2x wöchentlich). Eine Kontrollgruppe wurde vor und nach dem Untersuchungszeitraum getestet ohne ein Förderprogramm durchgeführt zu haben.

Ergebnisse

  • Eine Vorverlegung der Leistungsmängel in immer frühere Altersgruppen zeichnet sich ab.
  • Die Kindergartenkinder von 2006 zeigen höhere motorische Leistungsmängel als die untersuchten Kinder von 1998.
  • Während 1998 im Vortest etwa 1/3 der Kinder in den unteren Bereich („unterdurchschnittlich“, „auffällig“, „sehr auffällig“) klassifiziert wurden, waren es im Jahr 2006 rund 50% der Kinder.
  • Eine geringere Leistung der Testgruppe 2006 ist sowohl im Vor- als auch im Nachtest trotz Förderung festzustellen.
  • Die Gruppe mit einem durchgeführtem Bewegungsprogramm verbesserte sich deutlich stärker als die Kontrollgruppe.
  • Die Entwicklung der motorischen Leistungsfähigkeit der einzelnen Gruppen lässt sich anhand der folgenden Abbildung ablesen:

 

motorik kindergartenkinder

Abb.: Entwicklung der durchschnittlichen MQ-Werte der einzelnen Gruppen

 

Ausblick

Da sich eine Leistungsminderung immer jüngerer Generationen andeutet sind sinnvolle Interventionen für eine optimale Entwicklung der Kinder dringend nötig. Die Wirksamkeit von Förderprogrammen an Kindergärten ist anhand mehrerer Studien nachgewiesen und sollte deshalb viel größere Beachtung finden und sich so auch in der Ausbildung der Erzieherinnen wieder finden (was leider bisher nicht der Fall ist). Diese Bewegungsförderprogramme sollten bereits im Kindergarten mit weiteren Lebensstilmaßnahmen verknüpft werden, so dass die Kinder trotz veränderter Umwelt ihrem natürlichen Bewegungsdrang entsprechend agieren können und Grundlagen für ein dauerhaft aktives Leben gelegt werden. Gerade das mangelnde Verständnis vieler Eltern für die Notwendigkeit eines aktiven und gesunden Lebensstils macht die Förderung der Bewegung im Kindergarten notwendig. Soziale Brennpunkte sind hierbei besonders angewiesen auf „externe“ Maßnahmen, da in den Familien meist nicht entsprechend auf die „Kleinen“ Rücksicht genommen wird. Abb.: Entwicklung der durchschnittlichen MQ-Werte der einzelnen Gruppen 111,0 84,3 105,3 100,6 91,7 89,5 96 90,0 83 88 93 98 103 108 113 Vortest Nachtest Testzeitpunkt Motorischer Quotient (MQ) Vergleichsgruppe 1998 Vergleichsgruppe 2006 Kontrollgruppe 1998 Kontrollgruppe 2006

Studiendurchführung:
Prof. Dr. Ingo Froböse
Dipl. Sportwiss. Pascal Wunderlich
Institut für Rehabilitation u. Behindertensport

Quelle: www.ingo-froboese.de

Univ.-Prof. Dr. Ingo Froböse

Geboren 1957 in Unna, Sportstudium (Diplom) an der Deutschen Sporthochschule Köln, Promotion 1986, Habilitation 1993, Hochschulprofessor seit 1995. Leiter des „Zentrums für Gesundheit“ der Deutschen Sporthochschule Köln, Leiter des Institutes für Rehabilitation der Deutschen Sporthochschule (DSHS), Prorektor an der DSHS (1999-2003), Wissenschaftlicher Leiter des Institutes für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation GmbH“ (IQPR GmbH), Vorsitzender des „Forschungsinstituts Behinderung und Sport“ (FiBSe.V.), Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der TÜV Rheinland Group „Qualitätsoffensive im Fitnessbereich“, Sachverständiger / Gutachter in Gerichtsfragen zum Thema „Sport und Fitness“, Sachverständiger des Bundestages in Fragen der „Prävention“, Mitglied der Bundesvereinigung für Gesundheit e.V., Wissenschaftlicher Berater zahlreicher Krankenkassen/Sozialversicherungsträger, Ständiges Mitglied im Expertenteam zahlreicher Medien (Stern gesund leben, Brigitte, Fit for Fun, Vital, Men´s Health, GQ etc.), Autor zahlreicher nationaler/internationalerPublikationen und Lehrbücher, Vorsitzender des Vereins für Gesundheitssport und Sporttherapie (VGS) Köln, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Isokinetik, Vorsitzender des Vereins „Wasser für Schüler e.V.“, Mitglied der Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin (GOTS), Mitglied der Kommission „Prävention der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation“, Mitglied der Sektion „Rehabilitation“ der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirugie.